About Erich Neuwirth

  • Website: http://homepage.univie.ac.at/erich.neuwirth
  • Email: email
  • Biography: Ausserordentlicher Professor (i.R.) an der Universität Wien. Lehrt Informatik, Statistik und Mathematik. Leiter einer Arbeitsgruppe von Statistikern, die die PISA-Ergebnisse für Österreich 2000 korrigiert hat. Diese Korrektur wurde (das ist weder vorher noch nachher noch einmal geschehen) von der OECD offiziell anerkannt und wird seither in den offiziellen OECD-Publikationen verwendet.

Posts by Erich Neuwirth:

Wahlaufhebung – wie kann man sie rechtfertigen

Posted by Erich Neuwirth on 12. September 2018 in Allgemein |

Als Statistiker und Mathematiker ist man gewohnt, Argumente auf ihre Konsistenz zu prüfen. Gelegentlich liest man Texte, die dieser Prüfung wohl nicht standhalten.

Gerhard Strejcek schreibt in der Presse vom 9. September 2018, dass seiner Meinung nach die Strafen für die Beamten und Bürgermeister, die die Auszählung bei der Bundespräsidentenwahl nicht vorschriftsgemäß durchgeführt haben, zu hoch sind. Die verhängten Geldstrafen liegen zwischen 5.000 und 14.000 €, in einem Fall wurde auch eine mehrmonatige bedingte Freiheitsstrafe verhängt.

Er begründet das damit, dass es sicher keine Manipulation der Wahl gegeben habe. Woher er die Gewissheit bezieht, dass es Tatsache sei, dass es keine Manipulationen gegeben habe, erläutert er mit keinem Wort.

Er ist aber auch der Meinung, dass der Verfassungsgerichtshof die Wahl zu Recht aufgehoben habe, und begründet das folgendermaßen:

Hingegen soll der VfGH weiterhin ergebnisrelevante „Wahlfehler“ ahnden.

In § 141(1) des Bundesverfassungsgesetzes steht folgender Satz:

Der Verfassungsgerichtshof hat einer Anfechtung stattzugeben, wenn die behauptete Rechtswidrigkeit des Verfahrens erwiesen wurde und auf das Verfahrensergebnis von Einfluss war.

Die Verfassung stellt also klar, dass „Wahlfehler“ nur dann ein Aufhebungsgrund sind, wenn sie tatsächlich das Verfahrensergebnis beeinflusst haben. Strejcek ist der Meinung, dass es keine Manipulation gegeben habe. Dann hat die Nichteinhaltung der Vorschriften aber das Verfahrensergebnis nicht beeinflusst.

Eine Wahlaufhebung zu rechtfertigen, wenn man der Meinung ist, dass es keine Manipulationen gegeben hat, scheint einigermaßen unverständlich.

Strejcek ist auch der Meinung, dass der VfGH im Wege einer Prognose selbst entscheiden könne, ob Wahlfehler „erheblich“ sind und dazu keine Statistiker brauche. Prognosen sind Aussagen über mögliche Zukünfte. Das Erkenntnis des VfGH bezieht sich dagegen auf eine in der Vergangenheit durchgeführte Wahl. Da braucht man keine Prognosen sondern Analysen. Und Statistiker(innen)? sind Spezialisten darin, zu analysieren, ob vorliegende Daten bestimmte Schlussfolgerungen belegen oder nicht. Es gibt ausreichend Untersuchungen darüber, wie schwierig es auch für kluge Menschen ist, statistisch sauber zu argumentieren. In den Entscheidungsprozess auch statistisches Fachwissen einzubeziehen wäre sicher vernünftig gewesen. Man kann mit allgemeinverständlicher statistischer Aufbereitung der Ergebnisse ganz klar und objektiv belegen, dass es keine Manipulationen gegeben hat. Allerdings können auch kluge Juristen diese Aufbereitung wohl kaum selbständig erstellen. Weil es sinnvoll ist, bei rechtlichen Entscheidungen auch außerjuridisches Fachwissen beizuziehen, gibt es die Institution der Sachverständigen. Zusammenhänge bei Wahlergebnisses zu analysieren gehört in den Kompetenzbereich von Statistiker(inne)?n und sicher nicht zu den Kernkompetenzen von Juristen.

Dass der Verfassungsgerichtshof Sachverständige heranziehen kann ist durch den § 35 des Verfassungsgerichtshofgesetzes geregelt. Dieser Paragraf besagt, dass die Verfahren im Wesentlichen nach den Verfahrensregeln der Zivilprozessordnung durchzuführen sind, und dort ist die Beiziehung von Sachverständigen vorgesehen. Befreundete Juristen sagen mir, dass das in der Vergangenheit auch schon mehrfach geschehen ist.

Die Nichteinhaltung der Vorschriften hat natürlich schon Folgen: Das Vertrauen der Wähler in die saubere Durchführung von Wahlen wurde nachhaltig beschädigt. Bei Wahlen ist wichtig, dass auf Grund des nachvollziehbaren Ablaufs Zweifel über die Gültigkeit des Ergebnisses ausgeschlossen werden können. Ein ganz wichtiges Prinzip bei Wahlen ist, dass sichergestellt werden muss, dass Wahlverlierer keinen Zweifel daran haben können, dass sie tatsächlich verloren haben. Genau diese Zweifel waren diesmal aber als Folge der Verfahrensmängel begründbar. Die jetzt Verurteilten haben also eine der Grundlagen, auf denen Konsens über demokratische Verfahrensweisen beruht, beschädigt.

Bildung und Digitalisierung sind kein Widerspruch

Posted by Erich Neuwirth on 5. September 2018 in Allgemein |

Ich hab ein paar Gedanken zu Digitalisierung und Bildung aufgeschrieben, und der standard hat die veröffentlicht.

Geschwindigkeitslimits und Aufprallgeschwindigkeit – die zweite

Posted by Erich Neuwirth on 3. August 2018 in Allgemein |

Seit 1. August gibt es auf der Autobahn Teststrecken, auf denen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 140 km/h statt der bisher erlaubten 130 km/h beträgt. Nehmen wir folgendes an: ein Autofahrer, der 130 km/h fährt, sieht ein Hindernis, bremst sofort, und sein Auto bleibt genau vor dem Hindernis stehen. Mit welcher Geschwindigkeit würde dieser Autofahrer auf das […]

Geschwindigkeitslimits und Aufprallgeschwindigkeit

Posted by Erich Neuwirth on 1. August 2018 in Allgemein |

Bisher war die erlaube Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen 130 km/h. Seit 1. August gibt es Teststrecken, auf denen 140 km/h erlaubt sind. Höhere Geschwindigkeiten haben längere Bremswege zur Folge. Wenn also beispielsweise ein Auto mit 130 km/h bei einer Vollbremsung nach 101.3 m zum Stillstand kommt, braucht ein Auto mit 140 km/h 114.5m bis zum Stillstand. […]

Münzsummenproblem

Posted by Erich Neuwirth on 25. Juni 2018 in Allgemein |

Ich habe unlängst auf twitter in meiner Serie #mathepuzzle folgende Aufgabe gestellt: Auf wieviele Arten kann man 1€ aus Centmünzen zusammenstellen (wenn ausreichend viele Centmünzen aller verfügbaren Werte verfügbar sind). Jetzt habe ich die Lösung genauer beschrieben.

Welche Mathematik sollen Maturanten beherrschen?

Posted by Erich Neuwirth on 22. Juni 2018 in Allgemein |

Mathematik-Professoren der TU Wien fordern gerade, den Gebrauch von Computerwerkzeugen bei der Matura einzuschränken, weil das dazu führe, dass die Studierenden weniger “mathematisch-handwerkliche” Fähigkeiten als früher mitbringen. (https://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/126023/) Dazu ein paar Anmerkungen: Erst bei der heurigen Matura war es erstmals vorgeschrieben, dass solche Werkzeuge für alle Prüflinge zur Verfügung stehen müssen. Diese Schüler beginnen erst […]

2

Die Ameise auf dem Gummiband, oder eine seltsame Mathematikaufgabe

Posted by Erich Neuwirth on 7. April 2018 in Allgemein |

Als eines meiner #mathepuzzle auf Twitter gab es folgendes: Eine Ameise sitzt am Ende eines 1 m langen Gummibandes und krabbelt mit einer Geschwindigkeit von 1 cm/s zum anderen Ende. Das Gummiband wird aber pro Sekunde um 1 m gedehnt. Erreicht die Ameise je das andere Ende des Gummibandes? Erste Erklärung: Wir modifiziern das Problem […]

Ein bisschen Mathematik. Gesucht: Kürzestes Straßennetz

Posted by Erich Neuwirth on 23. März 2018 in Mathematische Bildung |

In meinen nahezu täglich erscheinenden #mathepuzzle(s) auf Twitter gabs gestern folgende Aufgabe (leicht modifiziert): 4 Orte bilden die Eckpunkte eines Quadrats. Die Gegend ist vollkommen flach und nicht bewachsen (stellen sie sich zum Beispiel eine Gegend in Arizona vor). Es soll eine Straßennetz angelegt werden, auf dem man von jedem Ort aus jeden anderen erreichen […]

Don’t-Smoke-Volksbegehren und NRW 2017

Posted by Erich Neuwirth on 6. März 2018 in Allgemein |

Auf addendum.org gibt es eine sehr aufschlussreiche Analyse des Zusammenhangs von Don’t-Smoke-Volksbegehren und Nationalratswahl 2017. Ich habe dazu noch eine weitere Analyse gemacht. In meiner Analyse kann man die Unterschiede zwischen den Bundesländern etwas genauer sehen.

Das Kärntner Wahlrecht und seine seltsamen Folgen

Posted by Erich Neuwirth on 6. März 2018 in Allgemein |

Bei der Kärntner Landtagswahlordnung kann passieren, dass eine Partei mit mehr Stimmen weniger Mandate bekommt. Ich habe ein paar solcher Effekte in einem Artikel im standard zusammengestellt. Eine Excel-Arbeitsmappe zum Durchrechnen verschiedener Szenarien gibts auch (zum Download).

Copyright © 2011-2018 Bildung und Statistik All rights reserved.
This site is using the Desk Mess Mirrored theme, v2.5, from BuyNowShop.com.

Transparenzgesetz.at Info-Logo