Hochrechnungen ohne offizielle Gemeindeergebnisse – geht das?

Posted by Erich Neuwirth on 13. Mai 2019 in Allgemein |

Man hört und liest gerade, dass es Pläne gibt, bei der EU-Wahl schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse durch das BMI Hochrechnungen zu machen. Die Daten dazu sollen Wahlzeugen an eine zentrale Plattform melden.

Wahlzeugen sind von den Parteien nominierte Personen, die in den einzelnen Wahlsprengeln den Wahlvorgang und die Auszählung beobachten dürfen, und daher die Sprengelergebnisse „ihres“ Sprengels sofort nach Ende der Auszählung kennen.

Im Gegensatz zu den Wahlbeisitzern unterliegen Wahlzeugen aber nicht der Amtsverschwiegenheit.

Ich habe bei einer derartigen Beschaffungsaktion von Sprengelergebnissen einige Bedenken.

  • Bei Hochrechnungen braucht man Ergebnisse gleicher regionaler Einheiten von einer (früheren) Vergleichswahl. Sprengelergebnisse werden aber nicht zentral gesammelt, man hat also Sprengelergebnisse früherer Wahlen nur in großen Städten, die das selber als Daten gesammelt zur Verfügung stellen. Für Gemeinden mit mehreren Sprengeln gibt es das in der Regel nicht. Und sicherstellen, dass man alle Sprengel einer Gemeinde bekommt, ist ziemlich aufwändig.
  • Es gibt bei dieser eher informellen Art der Übermittlung sicher nicht dieselbe Qualitätssicherheit wie wenn man die gesammelten Daten des BMI bekäme.
  • Gute Qualitätssicherung erscheint mir bei einem derartigen Projekt ziemlich aufwändig. Wahlzeugen werden von den politischen Parteien nominiert. Man macht sich also bei der Datenbeschaffung bereits von Parteien abhängig. Das halte ich bei Wahlen für nicht sehr wünschenswert.

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