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Erste Anmerkungen zu den PISA-2012-Ergebnissen

Posted by Erich Neuwirth on 3. Dezember 2013 in Allgemein |

Die OECD hat einen eigenen kleinen Bericht über die österreichischen PISA-Ergebnisse zum download veröffentlicht.

Dort sind nicht alle früheren Ergebnisse angeführt, deswegen weisen wir hier die Ergebnisse aller bisherigen PISA-Tests zur Übersicht aus.

 LesenMatheNaturw
2000492503505
2003491506491
2006490505511
2009470496494
2012490506506

Einige Zahlen in dieser Tabelle sind fett gedruckt. Warum?

Die OECD ist der Meinung, dass man Längsschnittvergleiche erst ab jenem Zeitpunkt machen sollte, an dem eine der 3 Domänen erstmals Hauptdomäne war. Das war bei Lesen 2000, bei Mathematik 2003 und bei den Naturwissenschaften 2006. Das sind die fettgedrucken Zahlen.

Warum sind die Zahlen in der Zeile für das Jahr 2009 kursiv gedruckt? Die OECD schränkt (auch im oben verlinkten Bericht) die Interpretationsmöglicheiten der Ergebnisse für 2009 drastisch ein und meint, dass diese Zahlen für Längsschnittvergleiche nicht geeignet sind.
Zur Erinnerung: Damals gab es von manchen Schülervertretern einen Boykottaufruf und deswegen musste eine doch merkbare Anzahl von Testbögen als nicht auswertbar ausgeschieden werden. Das hat wahrscheinlich das Testergebnis für 2009 etwas verzerrt.

Lässt man 2009 einmal außer Acht, dann sind die Ergebnisse für Mathematik und Lesen für alle anderen Tests praktisch gleich.
Da kaum anzunehmen ist, dass es in einem doch recht trägen Bildungssystem innerhalb von 3 Jahren zu einem dramatischen Absturz und in den 3 folgenden Jahren zu einem Aufschwung zu alten Höhen kommt, sollte man die Abweichung der Ergebnisse von 2009 aufgrund einer deutlich anderen psychologischen Situation beim Tests mit höchster Vorsicht interpretieren.

Ein bisschen komplizierter ist die Lage bei den Naturwissenschaften. Wenn man aber weiß, dass die OECD vor allem nach den erkannten Instabilitäten der Messung bei den Naturwissenschaften meint, dass man Längsschnittvergleiche erst ab dem Zeitpunkt, wo eine Domäne Hauptdomäne war, anstellen sollte, dann sollte man die Naturwissenschaftsergebnisse erst ab 2006 heranziehen. Und dann gibts wieder die bekannten Probleme mit den Ergebnissen von 2009 und übrig bleibt, dass wir uns von 2006 auf 2012 geringfügig verschlechtert haben.

Die OECD kommentiert auch, dass sich der Unterschied zwischen Buben und Mädchen von 2003 auf 2012 sehr vergrößert hat.
Auch das ist mit Vorsicht zu interpretieren. Die Ergebnisse von PISA 2003 hatten kleinere methodische Fehler, und das Ergebnis der Mädchen war damals „zu gut“, weil in der Stichprobe mehr AHS-Schülerinnen als in der Gesamtpopulation waren und das durch die offizielle Gewichtung nicht ausgeglichen wurde. Nachzulesen ist das in unserem Buch und im Internet. In den korrigierten Werten (und wir bergünden unserer Korrekturen und liefern auch die entsprechenden Daten!) war der Geschlechterunterschied in Mathematik auch 2003 schon um 5 Punkte größer als in den offiziellen Publikationen ausgewiesen. Es gibt dann immer noch eine Zunahme des Unterschieds von 2003 auf 2012, aber doch weniger dramatisch als das in den OECD-Berichten dargestellt wird.

Im wesentlichen sind die österreichischen Ergebnisse im längerfristigen Vergleich also gleich geblieben.

Wenn wir uns in den Rankings im Vergleich zu 2009 verbessert haben dann ist das nicht besonders interessant, weil die Ergebnisse von 2009 vor allem im Lichte der vorliegenden Ergebnisse als nicht besonders aussagekräftig anzusehen sind.

Und wenn wie einen besseren Platz in Rankings feiern, obwohl unsere Werte gleich geblieben sind, dann heisst das, dass wir uns darüber freuen, dass unserer Schüler zwar nicht klüger, die in ein paar anderen Ländern aber leistungsschwächer geworden sind. Das wäre dann doch ein sehr seltsames Verständnis der Aufgaben unseres Bildungssystems!

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