Schülerleistungen und Lehrerunterstützung: PISA und TALIS

Posted by Erich Neuwirth on 27. Juni 2013 in Allgemein |

Es gibt wieder ein neues Aufregerthema in der Bildungspolitik. Österreich nimmt 2013 an der TALIS-Studie nicht teil. Diese Studie erhebt (durch Befragung) unter anderem institutionelle Infrastruktur, Jobzufriedenheit und berufliche Selbsteinschätzung von Lehrern. Bei der letzten Studie (2008) sind für die Bildungspolitik wenig erfreuliche Ergebnisse herausgekommen. Bei der institutionellen Unterstützung für Lehrer schaut’s da im internationalen Vergleich relativ schlecht aus.

Frau BM Schmied begründet die Nichtteilnahme so

Das Ministerium habe sich vor eineinhalb Jahren aufgrund extremer Kostenüberschreitungen des Bifie dazu entschieden, nicht an TALIS 2013 teilzunehmen. Zudem habe es keine Veränderungen bei Arbeitszeit oder Dienstrecht in Österreich gegeben, die sich in der Studie niederschlagen hätten können. Andere Daten wie Arbeitszeit und Gehalt seien außerdem etwa in der jüngst veröffentlichten OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2013“ erhoben worden.

(siehe beispielsweise Salzburger Nachrichten vom 26.6.2013)

In der Presse vom 25.6.2013 liest man zu diesem Thema

Er (Haider, ehemaligen Direktors des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie)) warf Schmied in einem Gastkommentar im „Kurier“ indirekt vor, kritische wissenschaftliche Daten, die der Gewerkschaft in den Verhandlungen den Rücken stärken könnten, bewusst zurückzuhalten bzw. deren Erhebung zu verbieten. Haider ist mit seinem Verdacht nicht allein, wie „Die Presse“ nun erfahren hat.

Die öffentliche Diskussion beschäftigt sich wieder einmal nahezu ausschließlich mit der tagespolitischen Verwertbarkeit vor Forschungsergebnissen.

Niemand spricht davon, daß mit TALIS diesmal ganz neue Einsichten möglich gewesen wären.

Die teilnehmenden Länder hatten diesmal bei TALIS die Möglichkeit, die Daten an genau jenen Schulen zu erheben, an denen im vergangenen Jahr die PISA-Tests durchgeführt wurden. Man hätte also aus diesen Daten unmittelbar Rückschlüsse auf den Zusammenhang zwischen der beruflichen Situation der Lehrer und den Leistungen von Schülern ziehen können.

Vergleichbares war bei der letzten TALIS-Studie nicht möglich, und auch der neue OECD-Bericht Education at a Glance 2013 untersucht solche Zusammenhänge nicht mit derselben Schlüssigkeit, die mit TALIS möglich gewesen wäre.

Wieder einmal wurde also ein Chance vergeben, möglicherweise überraschende Erkenntnisse über unser Bildungssystem zu gewinnen.

Aber auch hier steckt wohl das dahinter, womit man als Statistiker meist zu kämpfen hat:
in politischem Kontext sind statistische Untersuchungen nur dann erwünscht, wenn die Ergebnisse bereits vorher gefasste Meinungen unterstützen. Eine Untersuchung, die neue Fragen untersucht, bei denen man die Antworten noch nicht kennt, wird kaum je in Auftrag gegeben.

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