{"id":2161,"date":"2017-09-19T11:34:48","date_gmt":"2017-09-19T09:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/?p=2161"},"modified":"2017-10-07T00:53:59","modified_gmt":"2017-10-06T22:53:59","slug":"wie-bekommen-die-parteien-ihre-mandate-zugewiesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2017\/09\/19\/wie-bekommen-die-parteien-ihre-mandate-zugewiesen\/","title":{"rendered":"Wie bekommen die Parteien ihre Mandate zugewiesen"},"content":{"rendered":"<p>Bei Nationalratswahlen werde ich immer wieder gefragt:<br \/>\nWie wird bei der Nationalratswahl die Mandatszahl der Parteien aus den Stimmenzahlen errechnet?<br \/>\nUnd dann gibt es noch eine Zusatzfrage:<br \/>\nWie wird ermittelt, wer von der Bundesliste, von den Landeslisten und von den Regionalwahlkreislisten erh\u00e4lt ein Mandat?<\/p>\n<p>Die detaillierte Beschreibung findet man in der <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&#038;Gesetzesnummer=10001199\">Nationalratswahlordnung<\/a>. Allerdings muss man sich da durch 129 Paragrafen durcharbeiten. Deshalb schreibe ich hier eine Zusammenfassung, die auch zu erkl\u00e4ren versucht, was der Grund f\u00fcr die scheinbar komplizierten Verfahrensvorschriften ist.<\/p>\n<p>Das Verfahren ist 3-stufig, und auf jeder Stufe kommt ein etwas anderes Verfahren zum Einsatz. <\/p>\n<p>Ich erkl\u00e4re zun\u00e4chst einmal, welche Rechenverfahren zur Mandatsvergabe in \u00d6sterreich eingesetzt werden (oder wurden). <\/p>\n<p>Gemeinsam ist allen beschriebenen Verfahren, dass (in jeweils einer regionalen Einheit) eine Wahlzahl ermittelt und dann die Zahl der Mandate der einzelnen Parteien bestimmt wird, indem man die Stimmenzahl durch die Wahlzahl dividiert und abrundet.<\/p>\n<p>Dazu gibt es 2 Typen von Verfahren: solche, die nur die Zahl der g\u00fcltigen Stimmen (oder die Summe der Stimmen der zur Mandatsverteilung zugelassenen Parteien) verwendet, und solche, die die Stimmen der Parteien verwenden.<\/p>\n<p>Das Verfahren nach Hare ist am einfachsten zu verstehen: Die Zahl der g\u00fcltigen Stimmen wird durch die Zahl der zu vergebenden Mandate dividiert. <\/p>\n<p>Beim Verfahren nach Hagenbach-Bischoff errechnet man die Wahlzahl, indem man die Gesamtstimmenzahl durch (Anzahl der Mandate + 1) dividiert (und in jedem Fall aufrundet).<\/p>\n<p>Wodurch unterscheiden sich Hare und Hagenbach-Bischoff? Die Wahlzahl bei Hare ist (besonders bei wenigen zu vergebenden Mandaten) kleiner. Wenn in einem Wahlkreis 4 Mandate zu vergeben sind, dann ist die Hare-Wahlzahl 1\/4 der Stimmen, die Hagenbach-Bischoff-Wahlzahl 1\/5 der Stimmen. Die Mandate sind bei Hagenbach-Bischoff also \u201ebilliger\u201c.<\/p>\n<p>Das Verfahren nach d&#8217;Hondt ist etwas komplizierter. Wenn man 183 Mandate zu vergeben hat, dann bildet man f\u00fcr jede Partei die Zahlenfolge Stimmenzahl, Stimmenzahl \/ 2, Stimmenzahl \/ 3, &#8230;, Stimmenzahl durch 183, wirft alle diese Zahlenreihen in einen Topf und sucht die 183-gr\u00f6\u00dfte dieser Zahlen. Das ist dann die Wahlzahl. Warum tut man das? Man kann mit etwas Mathematik nachweisen, dass das die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Wahlzahl ist, mit der man gerade alle 183 Mandate vergeben kann. Das d&#8217;Hondt-Verfahren hei\u00dft in den USA \u00fcbrigens \u201cJeffersson method\u201d, weil Thomas Jefferson diese Methode schon fr\u00fcher als Victor d&#8217;Hondt eingef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Das Mandatsermittlungsverfahren der \u00f6sterreichischen Nationalratswahlordnung kombiniert Hare und d&#8217;Hondt.<br \/>\nEs gibt die 3 Hierarchieebenen Regionalwahlkreis, Landeswahlkreis (ein LWK besteht jeweils aus mehreren Regionalwahlkreisen) und Bundesgebiet. Zun\u00e4chst wird die Wahlzahl nach Hare in allen 9 Landeswahlkreisen (=Bundesl\u00e4ndern) berechnet und mit dieser Wahlzahl werden die Mandate in den einzelnen Regionalwahlkreisen eines Bundeslandes die Mandate vergeben. Entsprechend viele Kandidaten von den Regionalwahlkreislisten erhalten Mandate. <\/p>\n<p>Im zweiten Ermittlungsverfahren werden wieder die Landeswahlkreis-Wahlzahlen verwendet und damit die Mandate im Bundesland vergeben. In den meisten F\u00e4llen gibt es f\u00fcr die Parteien mehr Landeswahlkreismandate als Regionalwahlkreismandate in diesem Bundesland. Diese (\u00dcberschuss-)Mandate erhalten Kandidaten von den Landeslisten. <\/p>\n<p>Im dritten Ermittlungsverfahren werden dann alle 183 Mandate mittels d&#8217;Hondt vergeben. Wieder werden die schon \u00fcber die Landes- und Regionalwahlkreise vergebenen Mandate angerechnet, und nur die \u00dcberschussmandate (also die Differenz der Mandate laut 3. Ermittlungsverfahren und der Summe der Landes- und Regionalwahlkreismadate) werden \u00fcber die Bundesliste vergeben.<\/p>\n<p>Am 2. und 3. Ermittlungsverfahren d\u00fcrfen nur Parteien teilnehmen, die mindestens ein Regionalwahlkreismandat oder bundesweit 4% der Stimmen erzielen konnten.<\/p>\n<p>Wenn man nur das Mandats-Gesamtergebnis berechnen will, dann reicht in den meisten F\u00e4llen das 3. Ermittlungsverfahren, und dazu ben\u00f6tigt man nur das bundesweite Gesamtergebnis. Der Ausnahmefall tr\u00e4te beispielsweise ein, wenn eine Partei zwar Regionalwahlkreismandate erzielte, aber keine Bundesliste eingereicht h\u00e4tte. Das ist aber meinem Kenntnisstand seit G\u00fcltigkeit dieser NRWO bisher nicht geschehen.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen ein <a href=\"http:\/\/www.neuwirth.priv.at\/forblogs\/NRW17\/NRW13_MandateNeu_public.xlsx\">Excel-Workbook<\/a> herunterladen, in dem alle diese Berechnungen durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Die Berechnungen gibt es da in zwei Varianten:<br \/>\nZuerst nach der Gebietseinteilung und den Mandatszahlen der NRW 2013.<br \/>\nInzwischen stehen aber neue Volksz\u00e4hlungsergebnisse zur Verf\u00fcgung, und die administrative Einteilung Nieder\u00f6sterreichs in Bezirke wurde ge\u00e4ndert. Aufgrund dieser \u00c4nderungen \u00e4ndert sich die Zahl der Mandate, die in Regional- und Landeswahlkreisen vergeben werden.<\/p>\n<p>Die zweite Variante der Berechnungen im Workbook berechnet die Mandatsverteilung mit den Stimmenzahlen von 2013 und der Gebietseinteilung und Mandatszuteilung von 2017.<\/p>\n<div class=\"tweet_button109\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" rel=\"nofollow\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2017\/09\/19\/wie-bekommen-die-parteien-ihre-mandate-zugewiesen\/\" data-text=\"Wie bekommen die Parteien ihre Mandate zugewiesen - Bildung und Statistik\" data-count=\"vertical\" data-lang=\"de\" data-via=\"neuwirthe\"  data-related=\"\"><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Nationalratswahlen werde ich immer wieder gefragt: Wie wird bei der Nationalratswahl die Mandatszahl der Parteien aus den Stimmenzahlen errechnet? 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