{"id":1755,"date":"2016-02-13T15:03:08","date_gmt":"2016-02-13T14:03:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/?p=1755"},"modified":"2016-02-14T13:00:49","modified_gmt":"2016-02-14T12:00:49","slug":"wer-bestimmt-die-themen-der-bildungspolitischen-diskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2016\/02\/13\/wer-bestimmt-die-themen-der-bildungspolitischen-diskussion\/","title":{"rendered":"Wer bestimmt die Themen der bildungspolitischen Diskussion?"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen ist pl\u00f6tzlich wieder die Diskussion, wie schlecht die \u00f6sterreichischen PISA-Ergebnisse sind, losgebrochen. Es geht vor allem um den Anteil der leistungsschwachen Sch\u00fcler (in PISA-Terminologie low performers). <\/p>\n<p>Die OECD hat dazu einen <a href=\"http:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/low-performing-students_5jrp0jd15gtc.pdf?contentType=%2fns%2fBook%2c%2fns%2fOECDBook&#038;itemId=%2fcontent%2fbook%2f9789264250246-en&#038;mimeType=application%2fpdf&#038;containerItemId=%2fcontent%2fserial%2f19963777&#038;accessItemIds=\">neuen Bericht mit genaueren Analysen<\/a> vorgelegt.<\/p>\n<p>Die ganze Diskussion, die jetzt stattfindet, beruht auf zwei Tabellen aus diesem Bericht.<br \/>\nDie OECD ver\u00f6ffentlicht mittlerweile dankenswerterweise viele Tabellen aus ihren Berichten als Excel-Tabellen, damit man selbst weitere kleine Analysen machen kann.<\/p>\n<p>Es gibt da eine <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/888933315931\">Tabelle mit den Anteilen der leistungsschwachen Sch\u00fcler in den drei PISA-Disziplinen<\/a> Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, und es gibt eine <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/888933315940\">Tabelle mit den Anteilen aller Sch\u00fcler, die in je 2 oder sogar in allen 3 Disziplinen leistungsschwach<\/a> sind.<\/p>\n<p>In der aktuell laufenden Diskussion entsteht der Eindruck, dass es sich da um bisher nicht bekannte Ergebnisse handelt und dass man daher auf neue Erkenntnisse reagieren m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Tabellen \u00fcber den Anteil der leistungsschwachen Sch\u00fcler in den einzelnen Disziplinen gibt es seit der Ver\u00f6ffentlichung<br \/>\nder PISA-Ergebnisse von 2012, als seit Dezember 2013.<\/p>\n<p>Die Tabellen finden sich auch <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/pisa\/keyfindings\/pisa-2012-results-volume-I.pdf\">im 2014 erschienenen PISA-Report<\/a>, wie hoch die Anteile der &#8222;low performers&#8220; in den einzelnen Disziplinen sind ist als schon jahrelang bekannt.<\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber den relativ hohen Anteil an leseschwachen Sch\u00fclern h\u00e4tten wir schon ab J\u00e4nner 2014 f\u00fchren k\u00f6nnen. Mussten wir wirklich warten, bis die OECD ca. 2 Jahre sp\u00e4ter eine Pressekonferenz zu diesem Thema gegeben hat?<\/p>\n<p>Und noch ein weiterer Punkt erscheint mir in der Diskussion um PISA bemerkenswert. 2009 waren die PISA-Werte \u00d6sterreichs deutlich schlechter als 2003 und 2006. 2012 sind sie dann wieder auf das Niveau von 2003 und 2006 gestiegen. Wir hatten nach 2009 eine hitzige Diskussion \u00fcber die Ursachen der kurzfristigen Verschlechterung, und nach 2012 haben dann einige Leute gemeint, dass wir offensichtlich durch richtige Ma\u00dfnahmen wieder zum alten Niveau zur\u00fcckgekehrt sind.<\/p>\n<p>Sieht man sich (im schon verlinkten offiziellen PISA-Bericht f\u00fcr 2014) die Tabellen (im Annex B1) an, die die L\u00e4nderwerte von 2000 bis 2012 (also die zeitliche Entwicklung) im Annex B1 darstellen, dann sieht man, dass da f\u00fcr das Jahr 2009 keine Werte f\u00fcr \u00d6sterreich vorkommen.<\/p>\n<p>Wenn man den Bericht genauer liest, dann findet man auf Seite 53 folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; the comparability of 2009 data with data from earlier PISA assessments cannot be ensured, and data for Austria have been excluded from trend comparisons.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Daten f\u00fcr 2009 sind also nicht zuverl\u00e4ssig genug, daraus solide Schl\u00fcsse ziehen zu k\u00f6nnen. Also waren die ganzen hitzigen Diskussionen nach 2009 und auch die Vergleiche von 2009 mit 2012 potemkinsche D\u00f6rfer.<\/p>\n<p>Ich hielte es f\u00fcr einen wesentlichen Beitrag zur Bildungspolitik, wenn man sich bei vielen bildungspolitischen Themen (auch am konkreten Beispiel PISA) in der Schule, der Lehrerausbildung und der Lehrerfortbildung anhand der verf\u00fcgbaren Daten mit den Themen selbst auseinandersetzt und nicht nur bei Pressekonferenzen Mitgeteiltes weiterverbreitet.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Chance der Informationsgesellschaft besteht darin, dass man Zugang zu viel mehr Quellen hat als fr\u00fcher. Man kann sich also (auch zum Thema PISA) auf Grundlage verf\u00fcgbarer Daten eine eigene durch Sachargumente begr\u00fcndbare Meinung bilden und ist nicht auf schlagzeilengeeignete Formulierungen anderer angewiesen.<\/p>\n<p>Dass das Teil einer grundlegenden Bildungsreform sein kann hat sich aber anscheinend zu den f\u00fcr die Bildungspolitik Verantwortlichen noch nicht durchgesprochen. Die streiten lieber dar\u00fcber, wer f\u00fcr die Verwaltung der Lehrer zust\u00e4ndig sein soll.<\/p>\n<div class=\"tweet_button119\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" rel=\"nofollow\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2016\/02\/13\/wer-bestimmt-die-themen-der-bildungspolitischen-diskussion\/\" data-text=\"Wer bestimmt die Themen der bildungspolitischen Diskussion? - Bildung und Statistik\" data-count=\"vertical\" data-lang=\"de\" data-via=\"neuwirthe\"  data-related=\"\"><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen ist pl\u00f6tzlich wieder die Diskussion, wie schlecht die \u00f6sterreichischen PISA-Ergebnisse sind, losgebrochen. Es geht vor allem um den Anteil der leistungsschwachen Sch\u00fcler (in PISA-Terminologie low performers). Die OECD hat dazu einen neuen Bericht mit genaueren Analysen vorgelegt. 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