{"id":1110,"date":"2013-10-15T11:53:59","date_gmt":"2013-10-15T09:53:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/?p=1110"},"modified":"2013-10-15T18:21:19","modified_gmt":"2013-10-15T16:21:19","slug":"methodisches-zur-waehlerstromanalyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2013\/10\/15\/methodisches-zur-waehlerstromanalyse\/","title":{"rendered":"Methodisches zur W\u00e4hlerstromanalyse"},"content":{"rendered":"<h3>Methodische Bemerkungen<\/h3>\n<p>W\u00e4hlerstromanalysen berechnet Sch\u00e4tzwerte f\u00fcr den Umfang der W\u00e4hlerbewegungen zwischen den einzelnen Parteien. Sie verwendet dazu die Wahlergebnisse aller \u00f6sterreichischen Gemeinden sowie der Wiener Bezirke. Wahlkartenstimmen und Briefwahlstimmen k\u00f6nnen keinen Gemeinden zugeordnet  und daher in der Analyse nicht verwendet werden. Diese W\u00e4hler und die W\u00e4hler von Kleinparteien erscheinen in der Gruppe der Nichtw\u00e4hler.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst eine methodische Erl\u00e4uterung am Beispiel des Vergleichs von NRW 2008 und der NRW 2013:<br \/>\nGrundlage der verwendeten Methode ist die Annahme, dass sich die W\u00e4hler einer bestimmten Partei von 2008 bei der sp\u00e4teren Wahl (also 2013) in allen Gemeinden der als homogen angenommenen Bundesl\u00e4nder nach etwa demselben Verteilungsschl\u00fcssel auf die 2013 kandidierenden Parteien aufgeteilt haben, dass also beispielsweise der Anteil aller SP\u00d6-W\u00e4hler von 2008, die 2013 die \u00d6VP gew\u00e4hlt haben, in allen Sprengeln eines solchen Gebiets ann\u00e4hernd gleich war. Ohne eine solche oder \u00e4hnliche Annahmen sind W\u00e4hlerstromanalysen nicht m\u00f6glich. Unter dieser Annahme lassen sich mit ziemlich aufw\u00e4ndigen mathematisch-statistischen Verfahren die W\u00e4hlerstr\u00f6me sch\u00e4tzen, und man kann zus\u00e4tzlich auch Schwankungsbreiten f\u00fcr diese Sch\u00e4tzwerte angeben. F\u00fcr die politische Interpretation der Ergebnisse ist die Angabe von Schwankungsbreiten von hoher Bedeutung, weil W\u00e4hlerbewegungen, deren Umfang mit hoher statistischer Absicherung angegeben werden kann, andere Schlussfolgerungen zulassen als mit hohen Unsicherheiten behaftete Sch\u00e4tzungen.<br \/>\nDa aus Wien nur die 23 Bezirksergebnisse und keine Ergebnisse in feinerer regionaler Gliederung zur Verf\u00fcgung stehen sind die Schwankungsbreiten der Wiener Analyse relativ gro\u00df. Bei der Interpretation der Wiener Ergebnisse ist also Vorsicht geboten.<\/p>\n<h3>Verfahrensfragen<\/h3>\n<p>Bei W\u00e4hlerstromanalysen gibt es drei Hauptprobleme technischer Natur:<\/p>\n<p>Man muss eine eigene zus\u00e4tzliche \u201ePartei der Nichtw\u00e4hler\u201c einf\u00fchren, weil das Nichtw\u00e4hlen eine m\u00f6gliche zu ber\u00fccksichtigende W\u00e4hlerentscheidung ist. Daher muss man auch W\u00e4hlerstr\u00f6me von und zu dieser Gruppe berechnen und diese nat\u00fcrlich auch in der Analyse ausweisen. Selbstverst\u00e4ndlich kann eine W\u00e4hlerstromanalyse nur Auskunft \u00fcber die Neuaufteilung der W\u00e4hler jener Parteien geben, die bei der betrachteten Vorwahl tats\u00e4chlich kandidiert haben.<br \/>\nEigentlich geht das mathematische Modell der W\u00e4hlerstromanalyse von der Fiktion der gleichen W\u00e4hlerschaft bei beiden untersuchten Wahlen aus. Das entspricht nat\u00fcrlich nicht ganz der Wirklichkeit. Prinzipiell w\u00e4re es auch m\u00f6glich, diese \u00c4nderung der W\u00e4hlerschaft im Modell der Analyse zu ber\u00fccksichtigen, allerdings stehen die daf\u00fcr notwendigen Daten nicht zur Verf\u00fcgung. Daher m\u00fcssen wir uns mit einer Fiktion behelfen. Wir gehen von einer fiktiven Vorwahl aus, die etwa am Tage vor der aktuellen Wahl stattgefunden haben k\u00f6nnte, und bei der schon alle W\u00e4hler der neuen Wahl teilgenommen haben. Das (fiktive) Ergebnis dieser Wahl setzen wir so an, dass die Parteien dabei dieselben Anteile erreichen wie bei der realen Vorwahl. Das bedeutet  ungef\u00e4hr, dass wir zun\u00e4chst einmal annehmen, dass die weggestorbenen W\u00e4hler und die Erstw\u00e4hler bezogen auf die kandidierenden Parteien der Vorwahl etwa dieselbe Zusammensetzung aufweisen wie jene W\u00e4hler, die tats\u00e4chlich bei beiden Wahlen teilgenommen haben. Die berechneten W\u00e4hlerstr\u00f6me beziehen sich dann auf den Vergleich der fiktiven Vorwahl mit der aktuellen Wahl. H\u00e4tten die weggestorbenen W\u00e4hler in h\u00f6herem Ma\u00dfe f\u00fcr Partei A gestimmt als die restlichen W\u00e4hler und die hinzugekommenen Erstw\u00e4hler in h\u00f6herem Ma\u00df f\u00fcr Partei B, dann w\u00fcrde sich das in der statistischen Analyse als W\u00e4hlerstrom von Partei A zu Partei B \u00e4u\u00dfern.<br \/>\nAuch die Behandlung der Wahlkartenw\u00e4hler passt nicht ganz mit dem Modell der W\u00e4hlerstromanalyse zusammen.<\/p>\n<p>Grundlage der W\u00e4hlerstromanalyse sind die Wahlergebnisse der einzelnen Gemeinden. Wahlkartenw\u00e4hler, die ihre Stimme in einem \u201efremden\u201c Wahlkreis abgeben, sind in diesen Gemeindeergebnissen aber nicht enthalten. Daher werden solche Stimmen in der W\u00e4hlerstromanalyse den Nichtw\u00e4hlern zugerechnet. Stimmen von Wahlkartenw\u00e4hlern, die im eigenen Wahlkreis gew\u00e4hlt haben, werden in der W\u00e4hlerstromanalyse m\u00f6glicherweise einer falschen Gemeinde zugeordnet.<\/p>\n<p>Statistische Methoden liefern bei sehr kleinen Parteien keine zuverl\u00e4ssigen und aussagekr\u00e4ftigen Sch\u00e4tzungen mehr. Daher werden in der vorliegenden Analyse nicht alle kandidierenden Parteien untersucht, sondern nur Parteien ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe. Die restlichen Stimmen werden mit den Nicht- und Ung\u00fcltig-W\u00e4hlern zusammengefasst. Jene Gruppe, die wir in unserer Analyse mit der Abk\u00fcrzung nw bezeichnen, besteht also aus den Nichtw\u00e4hlern, den Ung\u00fcltig- W\u00e4hlern und den W\u00e4hlern der in der Analyse nicht gesondert ausgewiesenen Kleinstparteien.<\/p>\n<div class=\"tweet_button96\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" rel=\"nofollow\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2013\/10\/15\/methodisches-zur-waehlerstromanalyse\/\" data-text=\"Methodisches zur W\u00e4hlerstromanalyse - Bildung und Statistik\" data-count=\"vertical\" data-lang=\"de\" data-via=\"neuwirthe\"  data-related=\"\"><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Methodische Bemerkungen W\u00e4hlerstromanalysen berechnet Sch\u00e4tzwerte f\u00fcr den Umfang der W\u00e4hlerbewegungen zwischen den einzelnen Parteien. 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