{"id":1048,"date":"2013-08-31T09:37:29","date_gmt":"2013-08-31T07:37:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/?p=1048"},"modified":"2014-06-04T11:10:39","modified_gmt":"2014-06-04T09:10:39","slug":"schultyp-und-geschlecht-bei-pisa-stichproben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2013\/08\/31\/schultyp-und-geschlecht-bei-pisa-stichproben\/","title":{"rendered":"Schultyp und Geschlecht bei PISA-Stichproben"},"content":{"rendered":"<p>Als im Dezember 2004 die Ergebnisse von PISA 2003 f\u00fcr \u00d6sterreich publiziert wurden war allgemein von einem Absturz die Rede. Die Ergebnisse von 2003 waren deutlich schlechter als die Ergebnisse von 2000.<\/p>\n<p>Schon damals bestand der Verdacht, dass f\u00fcr PISA 2000 durch die\u00a0Gewichtung der einzelnen Schultypen und der Burschen und der M\u00e4dchen innerhalb der Schultypen in der Stichprobe die Aufteilung der Sch\u00fcler im gesamten Altersjahrgang nicht richtig wiedergegeben wurde. Insbesondere gab es Hinweise darauf, dass die Berufssch\u00fcler (das sind die Sch\u00fcler mit den schlechtesten PISA-Leistungen) deutlich unterrepr\u00e4sentiert waren und deshalb die \u00f6sterreichischen PISA-Werte 2000 besser waren als sie es bei korrekter Gewichtung der Schultypen gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Gewichte f\u00fcr die Schultypen und Geschlechter waren zwar zun\u00e4chst in den \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Daten f\u00fcr PISA 2000 enthalten, wurden aber vor der Publikation der Daten f\u00fcr PISA 2003 \u00a0auf Veranlassung der \u00f6sterreichischen PISA-Verantwortlichen mit Berufung auf Datenschutz aus den Daten entfernt. Die entsprechenden Daten f\u00fcr PISA 2003 wurden jedoch (wenn auch in etwas anderer Darstellung) ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr PISA 2003 war der Datenschutz anscheinend kein so gro\u00dfes Anliegen.<\/p>\n<p>Als Konsequenz war es jedenfalls nicht m\u00f6glich, die Zusammensetzung der PISA-Stichprobe f\u00fcr 2000 und f\u00fcr 2003 zu vergleichen.<\/p>\n<p>In einem Interview f\u00fcr profil vom 4.12.2004 <a href=\"http:\/\/www.profil.at\/articles\/0449\/560\/99609\/bildung-der-sputnik-schock-ergebnis-pisa-tests\">(siehe profil Website)<\/a> \u00e4ussert sich der \u00f6sterreichische PISA-Verantwortliche so:<\/p>\n<blockquote><p>Dass der Absturz im Vergleich zu PISA 2000 wie in der Vorwoche kolportiert vor allem auf eine damalige falsche Gewichtung der Berufssch\u00fcler zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, trifft nicht zu. \u00d6sterreichs Sch\u00fcler sind in den vergangenen Jahren schlicht schlechter geworden. Haiders Res\u00fcmee: \u201eDie Analysen zeigen, dass hinter den Differenzen eindeutig feststellbare Leistungsverluste der Sch\u00fcler\/innen stehen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Problem, dass die Gewichtung die Ergebnisse von 2000 verf\u00e4lscht haben k\u00f6nnte, wurde also in Abrede gestellt.<\/p>\n<p>Die Diskussionen dar\u00fcber, ob jetzt die PISA-Ergebnisse von 2003 wirklich um vieles schlechter als die Ergebnisse von 2000 waren, f\u00fchrten schlussendlich dazu, dass das Bildungsministerium eine Studie in Auftrag gab, die die Qualit\u00e4t der Stichproben n\u00e4her untersuchen sollte.<\/p>\n<p>Im Zuge dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass die Gewichtung der Schultypen und Geschlechter in der PISA-Stichprobe tats\u00e4chlich ganz wesentlich von den entsprechenden Anteilen an der Sch\u00fclerpopulation abwich. Eine Forschergruppe von Statistikern erarbeitete ein neues korrigiertes Gewichtungsschema, das die Anteile der Sch\u00fclergruppen korrekt wiedergibt. Die folgende animierte Grafik erm\u00f6glicht einen Vergleich des urspr\u00fcnglichen und des korrigierten Gewichtungsschemas.<\/p>\n<div id=\"attachment_17\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><br \/>\n<iframe src=\"http:\/\/www.neuwirth.priv.at\/error-2000\/error2000.html\" width=\"340\" height=\"690\" name=\"error2000frame\"><br \/>\n<\/iframe><br \/>\n<p id=\"caption-attachment-17\" class=\"wp-caption-text\">Stichprobe PISA 2000 \u00d6sterreich<\/p><\/div>\n<p>Diese Grafik soll durch das \u201eSpringen&#8220; der Balkenbreiten die sehr grossen Unterschiede zwischen den unkorrigierten und den korrigierten Gewichten darstellen. Sie k\u00f6nnen die Animation mit den Steuerungselementen darunter stoppen, und sie k\u00f6nnen mit den  \u201ePfeilkn\u00f6pfen&#8220; zwischen den Bildern wechseln. Wenige Abs\u00e4tze weiter unten finden sie die Grafiken noch einmal ohne Animation. Dort kann man die Anteile der  Schultypen und Geschlechter \u201ein Ruhe&#8220; vergleichen. <\/p>\n<p>Die Grafik zeigt, dass zun\u00e4chst Berufsschulen (BS) deutlich zu gering  und Berufsbildende H\u00f6here Schulen (BHS) deutlich zu hoch gewichtet wurden. Da BHS gute und BS schlechte PISA-Leistungen erbringen hatte das zur Folge, dass die PISA-Werte f\u00fcr 2000 nicht den tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnissen entsprachen sondern ein zu sch\u00f6n gef\u00e4rbtes Bild zeichneten. Am deutlichsten sind die Gewichtungsunterschiede \u00fcbrigens bei BS (tg) zu sehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2006 und 2009 sind die Daten \u00fcber die Gewichtung der Schultypen und Geschlechter (so wie f\u00fcr 2000) wieder nicht verf\u00fcgbar. Dem Autor dieses Blogs standen sie allerdings im Rahmen von vom Bildungsministerium in Auftrag gegebenen Untersuchungen zur Verf\u00fcgung. Die folgende Grafik zeigt die Gewichtungsschemata daher f\u00fcr 2000 (unkorrigiert und korrigiert), 2003 und 2006. Die Daten f\u00fcr 2009 sind weder in den \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Daten enthalten noch standen sie dem Autor dieses Blogs zur Verf\u00fcgung. Daher kann man die Gewichte der Schultypen und Geschlechter f\u00fcr PISA 2009 nicht \u00fcberpr\u00fcfen und darstellen. <\/p>\n<div id=\"attachment_31\" style=\"width: 637px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><br \/>\n<a href=\"http:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/files\/2011\/03\/pisasample.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-31\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-31  \" title=\"pisasample\" src=\"http:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/files\/2011\/03\/pisasample.png\" alt=\"PISA Stichproben 2000-2006\" width=\"627\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/files\/2011\/03\/pisasample.png 968w, https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/files\/2011\/03\/pisasample-300x183.png 300w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-31\" class=\"wp-caption-text\">PISA-Stichproben 2000 bis 2006<\/p><\/div>\n<p>Diese Grafik zeigt merkbare Schwankungen bei der Aufteilung der Sch\u00fcler auf die verschiedenen Typen von BHS und BS. Auch der M\u00e4dchenanteil in den Gymnasien ist in den verschieden Jahren deutlich verschieden.<\/p>\n<p>Die Auff\u00e4lligkeiten bei der Gewichtung f\u00fchrten jedenfalls (wie schon gesagt) dazu, dass die vom Bildungsministerium beauftragte Gruppe unabh\u00e4ngiger Statistiker (A.Prof. Dr. Erich Neuwirth, Univ.Prof. Dr. Wilfried Grossmann, Univ.Doz. Dr. Ivo Ponocny) die Stichprobenproblematik n\u00e4her untersuchte. Diese Gruppe hat das in den Grafiken als \u201ePISA 2000 korr.\u201c ausgewiesene Gewichtungsschema erarbeitet. Diese Gewichtung wurde von der OECD offiziell als notwendige Korrektur anerkannt und alle neueren PISA-Publikationen verwenden die nach diesem korrigierten Schema berechneten Kennwerte f\u00fcr \u00d6sterreich. Untersuchungen durch ein unabh\u00e4ngiges Wissenschafterteam k\u00f6nnen also bewirken, dass von den PISA-Verantwortlichen zun\u00e4chst verbreitete Irrmeinungen \u00fcber die Leistungsf\u00e4higkeit \u00f6sterreichischer Sch\u00fcler korrigiert werden k\u00f6nnen und diese Korrekturen auch von den internationalen PISA-Verantwortlichen als notwendig und richtig anerkannt werden.<\/p>\n<p>Einer der ersten Hinweise darauf, dass das urspr\u00fcngliche Gewichtungsschema f\u00fcr PISA 2000 fehlerhaft war, war \u00fcbrigens, dass es laut Stichprobe mehr Sch\u00fclerinnen als Sch\u00fcler gegeben h\u00e4tte. Es ist aber eine allgemeine bekannte demografische Tatsache, dass in jedem Geburtenjahrgang etwas mehr Buben als M\u00e4dchen geboren werden. Bei PISA 2003 und PISA 2006 stimmte das Geschlechterverh\u00e4ltnis in der Stichprobe mit dieser Tatsache \u00fcberein. Bei PISA 2009 g\u00e4be es laut Stichprobe (so wie 2000 vor der Korrektur) ebenfalls wieder mehr M\u00e4dchen als Burschen, die noch in schulischer Ausbildung stehen. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass man die Gewichtung der Stichprobe auch f\u00fcr 2009 einer Untersuchung durch unabh\u00e4ngige Experten unterziehen sollte.<\/p>\n<hr \/>\n<p  style=\"font-size: smaller; margin-top: 0.3em; line-height: 0.8em;\">\nDie Abk\u00fcrzungen f\u00fcr die einzelnen Schultypen bedeuten \u00fcbrigens\u00a0folgendes:<br \/>\n<br \/>\nHS = Hauptschule<br \/>\n<br \/>\nPoly = Polytechnische Schule<br \/>\n<br \/>\nSonder = Sonderschule<br \/>\n<br \/>\nGym = Gymnasium<br \/>\n<br \/>\nRG und WKRG = Realgymnasium und wirtschaftskundliches RG<br \/>\n<br \/>\nORG = Oberstufenrealgymnasium<br \/>\n<br \/>\nSonst. AHS = Sonstige Allgemeinbildende Schulen\/mit Statut<br \/>\n<br \/>\nBS = Berufsschule<br \/>\n<br \/>\nBMS = Berufsbildende Mittlere Schule<br \/>\n<br \/>\nBHS = Berufsbildende H\u00f6here Schule<br \/>\n<br \/>\nP\u00e4d = Anstalten der Lehrerbildung und Erzieherbildung<br \/>\n<br \/>\ntg = technisch-gewerblich<br \/>\n<br \/>\nkfm = kaufm\u00e4nnisch<br \/>\n<br \/>\ntgkgw = technisch-gewerblich-kunstgewerblich<br \/>\n<br \/>\nwiso = wirtschaftsberuflich-sozialberuflich<br \/>\n<br \/>\nlf = land- und forstwirtschaftlich<\/p>\n<div class=\"tweet_button104\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" rel=\"nofollow\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/blogs.neuwirth.priv.at\/bildungundstatistik\/2013\/08\/31\/schultyp-und-geschlecht-bei-pisa-stichproben\/\" data-text=\"Schultyp und Geschlecht bei PISA-Stichproben - Bildung und Statistik\" data-count=\"vertical\" data-lang=\"de\" data-via=\"neuwirthe\"  data-related=\"\"><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im Dezember 2004 die Ergebnisse von PISA 2003 f\u00fcr \u00d6sterreich publiziert wurden war allgemein von einem Absturz die Rede. 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